Die Geschichte der OG Rottenburg
Am 2.Juli 1897 fand die Gründung der Ortsgruppe Rottenburg im „Deutschen Haus“ unter dem Gründervater Gustav Mönch statt. Die Einladung zur Gründungsversammlung war mit dem Hinweis verbunden, dass der Verein „seinen Mitgliedern in der That mehr bieten vermöge, als er von ihnen verlange.“ Dabei gaben sich spontan 48 Anwesende einen kräftigen Ruck für den sofortigen Beitritt zum Verein.
Bahnhofsverwalter Mönch (1897-1922) setzte alles daran, um eine dynamische und tatkräftige Ortsgruppe zu formieren. Der heutige „Mönchweg“ oberhalb der Kesselhalde, der zur Altstadtkapelle und über den Wittichblick nach Bad-Niedernau führt, erinnert noch an den Wegbereiter und ersten Vertrauensmann.
Ferner ließ Mönch mehrere Schlüssel für den Weilerburgturm auf den Bahnhöfen von Rottenburg und Bad Niedernau für Besucher hinterlegen. Von dort aus eröffnet sich für den Naturfreund eine herrliche und aussichtsreiche Lage in den einmaligen Natur- und Siedlungsraum des Neckartales, Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb.
Auf dem fast freistehenden Berg an der Nordwestecke des Rammerts stand früher die sagenumwobene alte Burg genannt auch „Alte Rotenburg“. Der Zeitpunkt der Erbauung ist nicht gesichert. Man vermutet, dass sie der Geburtsort der Königin Anna, die Gemahlin Rudolfs von Habsburg war. Der heute nordöstlich über dem Dorf Weiler stehende 24 Meter hohe Aussichtsturm wurde 1874 vom „Sülchgauer Altertumsverein“ als „Sieges-und Minnesängerdenkmal“ nach dem deutsch-französischen Krieg erbaut. Die „Weilerburg“ ist im Sommer fast täglich vom DAV bewirtschaftet und ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Auch die beschilderungstechnischen Maßnahmen an den Wanderwegen im Rammert und näheren Umgebung sowie das Aufstellen von zahlreichen Ruhebänken an exponierten Aussichtspunkten hat Mönch mit seinen fleißigen, ehrenamtlichen Helfern problemlos durchgeführt. Die Mitgliederzahl wuchs innerhalb von zwei Jahren auf bereits 160 Albvereinlern bei einem Kassenumsatz von 1255 Mark an. 820 Mark verschlangen allein die Anpflanzungen und Wanderwege.
Bei den vielen Aktivitäten der damals noch jungen Ortsgruppe blieb niemand verborgen, dass das neue Tätigkeitsfeld sehr vielfältig beackert wurde. Der Verein packte im Rahmen der damaligen Möglichkeiten sehr uneigennützig Aufgaben an, die eher in den Zuständigkeitsbereich der kommunalen Verwaltung fielen. Die Ortsgruppe Rottenburg betrieb also schon vor über 100 Jahren eine rege Wirtschafts-und Tourismusförderung heute „Stadtmarketing“ genannt. Dazu gehörte die Erschließung der Stadt für den Fremdenverkehr, Verbesserung der Stadtbildpflege, Anlegung von Promenaden in der unmittelbaren Umgebung mit exponierten Aussichtspunkten, Mitinstallation von Brunnenanlagen, Aufstellung von Ruhebänken. Kurzum die Aufpolierung des Erscheinungsbildes der Stadt überließ man nicht alleine dem Bürgermeister und den Beamten. Deshalb machte sich der Albverein Rottenburg 1902 daran, den Aussichtspunkt bei der Altstadtkapelle zu erschließen und gleichzeitig einen durch den Waldschatten führenden Spazierweg in Richtung des Badeortes Bad Niedernau zu schaffen.
Mit einem ganz besonders originellen Einfall bediente sich der Verein zum 10-jährigen Bestehen der „Kalkweiler Panoramastraße“: Vom „Felsenkeller“ aus schlugen pfiffige Albvereinsmitglieder per Seil eine mächtige Lichterkette über den Neckar bis zu der „Römersäule“. Die gesamte „Porta Suevica“ war von einem bezaubernden und vielbewunderten „Lichtbogen“ überspannt. Am anderen Tag überschlug sich fast das „Rottenburger Blatt“: „Wer hätte gedacht, dass sich hinter der mystischen Riesenbrücke sich ein so einzigartiges, nur in Rottenburg mögliches Bild verbergen würde. Wie imponierend und poetisch wirkte doch diese originelle Idee, die man öfters ausgeführt sehen möchte.“
Als im Juni 1922 die ersten 25 Jahre der Rottenburger Ortsgruppe gefeiert wurden, war die Zahl der Mitglieder auf 260 gestiegen. In diesem ersten Vierteljahrhundert wurden noch ein paar herausragende Glanzstücke geleistet:
- 1897 neuer Fußweg zum „Gelben Kreidebusen“ mit 17 Ruhebänken
- 1899 neue Pflanzungen und Vogelschutzanlage am „Felsenkeller“
- 1900 weitere 60 Sitzbänke kamen in Rottenburg und Umgebung hinzu
- 1905 kommen nochmals 110 Bänke mit Wegzeichen zur Aufstellung
- 1912/1913 Freilegung der römischen Wasserleitung bei Obernau
Außerdem wurden folgende Wanderwege rund um Rottenburg geschaffen:
- 1897/98 Rottenburg-Weilerburg-Bad-Niedernau
- 1898 Rottenburg-Kalkweil-Bad Niedernau
- 1902/07 Rottenburg-Kesselhalde-Altstadt-Bad-Niedernau
- 1908 Weilerburg-Rammert-Tübingen und der Weg bis nach Hechingen
- 1909 Rottenburg-Wurmlinger Kapelle-Spitzberg-Tübingen
(seit 1981 Teil des HW3 „Wanderweg Baden-Württemberg- Main-Neckar-Rhein“) - 1910 bis nach Eyach
- 1913 Rottenburg-Heuberger Warte-Wendelsheim
Für den Erhalt der Natur hat sich der frühere Vertrauensmann und Gymnasiumslehrer Konstantin Hagenmayer eingesetzt. Die 4. Klasse des Eugen-Bolz-Gymnasiums pflanzte am Tag des Baumes über 1.500 Jungfichten. Oberstudienrat Georg Timmermann, der Regie für die Aktion führte, dankte damals allen, die sich an dem schönen Waldnachmittag für neues Leben auf kahlen Flächen eingesetzt haben.
Besondere Leistungen zum 100. Geburtstag des Vereins dürfen nicht unerwähnt bleiben:
Im Mai 1997 ließ die Ortsgruppe den baufällig gewordenen Steg über den Katzenbach bei der Ziegelhütte, über den der Wanderweg von Rottenburg nach Hirrlingen führt, durch eine neue Brücke aus Douglasienholz aus dem Stadtwald ersetzen. Die Arbeiten wurden vom Technischen Hilfswerk (THW) Rottenburg im Rahmen einer Übung ausgeführt. Eine zweite Brücke von gleicher Länge (10,50 m) wurde anschließend im Rommelstal bei Obernau über den Seltenbach geschlagen. Sie kam dem Albvereinswanderweg Rottenburg – Obernau – Ergenzingen zugute.
Auch eine Jubiläums-Linde wurde gegenüber der Theoderichskapelle an der Bushaltestelle beim neuen katholischen Gymnasium gepflanzt. Bei der Pflanzung griffen im Frühjahr 1997 der Chef des Vereins Timmermann mit seinem rührigen Stellvertreter Karl Samtner und Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner sowie Baubürgermeister Dr. Holger Keppel zum Spaten. Mit von der Partie waren auch die Aktiven Oskar Gorbauch, Erich Schaupp und Karl Rösel.
Das große Ereignis wurde von der Festgemeinde am 11.Oktober 1997 im „Haus der Bürgerwache“ begangen:
Ein Bläserquartett der Stadtkapelle Rottenburg eröffnete, Vertrauensmann Georg Timmermann ließ die interessante Geschichte des Vereins nochmals eingehend Revue passieren, Oberbürgermeister Klaus Tappeser überbrachte die Glückwünsche der Großen Kreisstadt Rottenburg a.N. sowie Albvereins-Präsident Peter Stoll beglückwünschte den Verein und vom „Moriz-Quartett Rottenburg“ erklangen Lieder von J. v. Eichendorff und F. Mendelssohn-Bartholdy. Daran im Anschluss wurde an die Ortsgruppe Rottenburg die Eichendorff-Plakette von Landrat Kroymann als Auszeichnung für das 100-jährige Wirken sowie für die besonderen Verdienste um die Pflege und Förderung des Wanderns, Heimatgedankens und Umweltbewusstseins verliehen. Die Urkunde trägt die Unterschrift des Bundespräsidenten Roman Herzog. Den Festvortrag hielt Dr. Friedemann Schmoll vom „Ludwig-Uhland-Institut“ für empirische Kulturwissenschaften der Universität Tübingen. Peter Nagel trug Gedichte des Erzschwaben „Sebastian Blau“ vor.
Ziel unseres Vereins ist es den Wandergedanken zu pflegen, den Natur- und Umweltschutz, die Landschaftspflege, die Heimatkunde, das Volkstum, die Jugendpflege zu fördern. Besonders richtet sich das Augenmerk unseres Vereins auch auf die Aufgaben im lokalen Bereich der Großen Kreisstadt Rottenburg am Neckar.
Durch die Übertragung der städtischen Patenschaft am 22.März 1988 unter der Federführung des damaligen Herrn Oberbürgermeister Dr. Winfried Löffler erfolgte die Anlegung und Pflege eines seither über die Landesgrenzen viel beachteten und besuchten Wildrosengartens im Wohngebiet „Äuble“ an der Magdeburger Straße.
Diese vom damaligen Vorsitzenden Georg Timmermann geschaffene 25 Ar große Anlage enthält alle 26 in der botanischen Fachliteratur aufgeführten Wildrosenarten Deutschlands. Im Verlag des Schwäbischen Albvereins e. V., Stuttgart, erschien 1994 das Taschenbuch „Wildrosen und Weißdorne Mitteleuropas“ von Georg Timmermann und Theo Müller. In ihm sind die im Wildrosengarten vorhandenen Arten mit Text, Zeichnungen und Farbfotos dargestellt. Die Gattung Rosa (Wildrosen) hat Georg Timmermann ebenfalls im folgenden Werk bearbeitet: „Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Band 3“, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1992. Eine Besonderheit in diesem im Rahmen des Artenschutzprogramms des Landes erschienen Grundlagenwerk sind die Verbreitungskarten der einzelnen Arten.
Die Führung der Ortsgruppe lag in all diesen Jahren in den Händen von:
- Gustav Mönch, Bahnhofsverwalter
- Josef Seibeld, Inhaber der Dom-Apotheke
- Rudolf Balz, Studienrat und Biologielehrer am hiesigen Progymnasium
- Dr. Franz Haug, ebenfalls Studienrat am Rottenburger Progymnasium
- Franz Müller, Schulrat an der Rottenburger Gewerbeschule
- Friedrich Luippold, Bezirksnotar, Rottenburg a.N. (während es 2. Weltkriegs)
- Konstantin Hagenmayer, Studienrat am Rottenburger Progymnasium, 1945-69
- Paul Ruf, Verlagskaufmann, 1969-85
- Georg Timmermann, Regierungsschuldirektor a. D., 1985-98
- Herta Springer, Wirtin der Brunnenstube, 1998-2003
- Stefan Ruge, Professor an der Hochschule für Forst, 2003-07
- Siegfried Bürker, damals auch OG Kilchberg, seit 2007.
Seit 2014 sind die OG Kilchberg und Rottenburg fusioniert.
[Text auf Basis eines Beitrags von Helmut Schmitz im April 2002, geändert im Jan. 2009 von Winfried Kohler und gekürzt von Siegfried Bürker 2025.]
